Geschichte des Duden

Fast jeder Mensch hat bereits mindestens einmal im Leben ein Wort im Duden nachgeschlagen und manche Personen nutzen ihn auch regelmäßig. Der Duden ist ein deutsches Wörterbuch, zum Nachschlagen der Schreibweisen und Bedeutungen von sämtlichen deutschen Wörtern. Er wurde am 7. Juli 1880 vom Schleizer Gymnasialdirektor Konrad Duden veröffentlicht.

Die Anfänge des Duden

Bereits 8 Jahre vor der Herausgabe des ersten Nachschlagewerks wurde ebenfalls von Konrad Duden ein Buch namens „Schleizer Duden“ veröffentlicht.
Vier Jahre später wurde Duden zum Direktor des Königlichen Gymnasiums zu Hersfeld, wo er schließlich sein wichtigstes Werk veröffentlichte, dieses Werk trug den Namen „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ und war im Grunde der erste deutsche Duden. Konrad Duden arbeitete 30 Jahre daran und der erste Duden beinhaltete danach 27.000 Stichwörter (zum Vergleich: im heutigen Duden kann man 140.000 Wörter nachschlagen). Dieser Duden setzte sich daraufhin als Orthographie-Nachschlagewerk im deutschen Kaiserreich durch und wurde sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz als Urduden bezeichnet.

Der Duden zu Anfang des 20. Jahrhunderts

Vom 17. bis 19. Juli 1901 tagte in Berlin die 2. Orthographische Konferenz, bei der Konrad Duden sich an Beratungen über die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung beteiligte. Bei dieser Tagung wurden die Orthographieregeln, die im Duden niedergeschrieben wurde, bestätigt und im Jahr 1902 wurden die Beschlüsse in Deutschland, Österreich und der Schweiz umgesetzt. Ebenfalls 1902 erschien die siebte Auflage des Nachschlagewerks, an dem neben Konrad Duden auch erstmals eine Redaktion beteiligt war.

1903 wurde dann der Buchdruckerduden veröffentlicht, bei dem bestimmte Wörter und Schreibweisen nicht mehr aufgeführt wurden, ebenso wie in der 8. Auflage des Dudens, der 1905 erschien. 1915 wurde der Buchdruckerduden in die 9. Auflage des berühmten Nachschlagewerks integriert. Dieses Werk trug den Titel „Duden – Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter“.

Der letzte Duden in der damals üblichen Frakturschrift, wurde im Jahr 1941 veröffentlicht. Von da an wurde die Frakturschrift nicht mehr verwendet und wich der Schrift „Antiqua“, die heute immer noch für den Duden verwendet wird. Die Schreibweisen wurden optimiert, um den Lesern die Umstellung einfacher zu machen.
Im Laufe der Zeit wurde dann der Duden von der Redaktion immer weiter entwickelt.

Nachkriegszeit bis zum Beginn der 1990er

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Duden vom Privatverlag „Brockhaus“ veröffentlicht. 1947 erschien der erste Duden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der 13. Auflage, der auch in Westdeutschland, Österreich und der Schweiz abgedruckt wurde. 1954 wurde dann die 14. Auflage des Duden vom westdeutschen Dudenverlag veröffentlicht.

In Ost- und Westdeutschland wurden zu dieser Zeit verschiedene Duden veröffentlicht, wobei der ostdeutsche Duden von sozialistischen, der westdeutsche Duden hingegen von den neuen westdeutschen Begriffen geprägt wurde. Zu Beginn der 1950er wurden von verschiedenen Verlagen ebenfalls Nachschlagewerke der deutschen Sprache veröffentlicht, die sich allerdings vom Duden unterschieden. Der westdeutsche Kultusminister legte daraufhin fest, dass im Zweifelsfall die Schreibweise als richtig gilt, die im Duden abgedruckt ist. Erst 1996 endete dieser Beschluss mit der Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung.

Die Leipziger Dudenredaktion bemühte sich in den 1960er Jahren um einen unpolitischen Duden. Beispielsweise fehlten hier die Begriffe „Deutschland“, „DDR“, „BRD“ und „Bundesrepublik“, wodurch eine Spaltung in der deutschen Rechtschreibung verhindert werden sollte. Das Wort „Berlin“ wurde ebenfalls nur als „Hauptstadt Deutschlands“ bezeichnet. Gegen Ende der 1960er Jahre wurden allerdings immer häufiger sozialistisch geprägte Begriffe in den Duden aufgenommen. Gemeinhin fanden sich im Ostdeutschen Duden weniger Neuerungen als im Westduden, der oft neue Wortschöpfungen, besonders aus der Jugendsprache, aufnahm.

Bis zum letzten Duden, der in der DDR veröffentlicht wurde, war im ostdeutschen Duden weder das Wort „Weltreise“ noch „Kreuzfahrt“ verzeichnet. Auch Wörter wie „ficken“, „Arschkriecher“ oder „Aids“ wurden erst in der 18. Auflage des Dudens im Jahr 1985 veröffentlicht. Nach wie vor bemerkte man trotzdem hier eine gewissen Spannung im Bezug auf westdeutsche Begriffe oder die Beschreibungen von westdeutschen Städten.

Auch in späteren Versionen des Dudens befanden sich ebenfalls Begriffe aus dem Österreichischen und Schweizer Sprachgebrauch. Diese wurden dem Bibliographischen Institut Leipzig von bestimmten Einzelpersonen aus Bereichen wie Literatur und Wirtschaft zugesendet. Daraufhin bildeten sich im Duden auch immer feinere Verästelungen von Begriffen, allerdings baute er bis zur Rechtschreibreform 1996 immer auf den Rechtschreibregeln von 1901 auf.

Vom „Einheitsduden“ bis zur 26. Auflage

1991 erschien der „Einheitsduden“, der für den deutschen Sprachgebrauch eine besondere Bedeutung hatte. Er war nämlich zunächst der erste Duden nach dem Fall der Berliner Mauer und galt demnach erstmals wieder für das vereinte Deutschland. Dann war er allerdings auch der letzte Duden vor der Rechtschreibreform im Jahr 1996.

Mit der neuen Rechtschreibung wurde das Dudenmonopol gebrochen. Das beliebte und bekannte deutsche Wörterbuch war nun nicht mehr maßgebend, sondern die amtliche Rechtschreibregelung. Daraufhin erschienen ebenfalls Nachschlagewerke von anderen Herausgebern wie „Wahring“ oder „Bertelsmann“. Aufgrund der neuen Rechtschreibung fanden sich im 21. Duden einige Ungereimtheiten, wie das Fehlen der Schreibweise „Xylofon“ oder die Großschreibung des Wortes „spinnefeind“.

Daraufhin wurde der Duden immer wieder verbessert und optimiert: Er erhielt natürlich neue Wörter, Infokästen, Empfehlungen zu verschiedenen Schreibweisen, weibliche Personenbezeichnungen und in der neuesten Version auch einen QR-Code, über den man sich eine kostenlose Rechtschreibsoftware für Microsoft Office herunterladen kann.

Die 10 häufigsten Rechtschreibfehler

„Seid“ oder „seit“? „Als“ oder „wie“? „Das“ oder „dass“? Typische Fallstricke in jedem Text, den Sie auf Deutsch verfassen werden. Wir zeigen die zehn häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen und wie Sie diese vermeiden. Auch wenn Sie die Regeln beherrschen, schleichen sich in diesen zehn Fällen am häufigsten Flüchtigkeitsfehler ein:

1. „seid“ oder „seit“

Ein Klassiker. „Seit“ bezieht sich auf einen Zeitraum: „Seit März hab ich Probleme mit dem Knie.“ „Seid“ hingegen ist eine Form des Verbs „seien“: „Seid doch mal still. Ihr seid viel zu laut.“

2. „das“ oder „dass“

Es hilft die Eselsbrücke: „Wenn man „das“ durch „dieses“, „jenes“ oder „welches“ ersetzen kann, schreibt man es mit einfachem „s““.
Das „dass“ hingegen ist eine Konjunktion, es koppelt einen Inhaltssatz an einen Hauptsatz: „Ich möchte Ihnen noch sagen, dass Ihnen das Kleid sehr gut steht.“
Auch erfahrenen Schreibern rutscht gerne mal ein falsches „dass“ durch, hier ist Sorgfalt gefragt.

3. Der sogenannte Würstchenbuden-Apostroph und andere falsche Oberstriche

Werner’s Würstchenbude, Gaby’s Strickladen und Sebastian Vettel’s triumphaler Sieg: All diese Apostrophe sind falsch gesetzt. Im Deutschen steht ein Genitiv-Apostroph nur, wenn das Subjekt auf „s“, „z“ oder „x“ endet, ansonsten steht er nicht. Korrekt sind also: Markus‘ Würstchenbude, Gabys Strickladen und Sebastian Vettels triumphaler Sieg.
Ein ähnlicher Fehler wird häufig bei Verschleifungen begangen: „In das“ wird zu „ins“, nicht zu „in’s“. Das gilt auch für „aufs“, „ums“ oder „ans“.
Bei Befehlsformen steht kein Apostroph.
Generell tauchen Apostrophe im Deutschen viel seltener auf, als uns Plakate und Speisekarten weismachen wollen.

4. Das vergleichende „als“ oder „wie“

Beide Wörter werden für Vergleiche genutzt. Sind die zu vergleichende Gegenstände gleich, verwendet man das „wie“, gibt es einen Unterschied das „als“. Also: Peter war so groß wie Judith. Aber: Peter war größer als Jessica.

5. Falsche Superlative

Einzig, optimal, perfekt – all diese Wörter sind schon absolut. Es gibt kein „einzigstes“ und kein Ergebnis kann „optimaler“ als das „optimale“ Ergebnis sein. Wenn einer davon schreibt, es noch perfekter zu machen, muss er beim ersten Mal gelogen haben.

6. Typische Kandidaten für die Sonderprüfung

Manche Wörter werden einfach ständig falsch geschrieben: Billard gehört dazu und die detaillierte Medaille. Wo wir gerade beim Billard sind: Man spielt es mit einem Queue. „Standard“ heißt der Standard, nicht „Standart“. „Bisschen“, nicht „bischen“. Im „hältst“ ist noch ein „t“ versteckt, so wie sich hoffentlich noch etwas Geld im Portmonee befindet, oder man sagt einfach Brieftasche dazu.
Die automatische Rechtschreibprüfung bewahrt vor vielen dieser Fehler, aber nicht vor allen. Wörter, von denen Sie wissen, dass Sie sie schon öfter falsch geschrieben haben, sollten Sie doppelt kontrollieren.

7. „scheinbar“ oder „anscheinend“

Bei scheinbar ist eine Sache nicht so, wie sie scheint. Bei anscheinend könnte eine Sache so sein, wie sie auf den Blick aussieht, man weiß das aber noch nicht so recht.

8. „Denn“ oder „weil“

Obwohl beide Begriffe im gleichen Zusammenhang verwendet werden, leitet „weil“ einen Nebensatz ein, „denn“ wird in Hauptsätzen verwendet. Das beeinflusst die Satzstellung.
Ich möchte etwas essen, denn ich habe Hunger – ist korrektes Deutsch.
Ich möchte etwas essen, weil ich Hunger habe – ist ebenfalls korrektes Deutsch.
Falsch, aber häufig verwendet hingegen: Ich möchte etwas essen, weil ich hab Hunger.

9. „Sie“ oder „sie“

„Sie“ wird nur großgeschrieben, wenn es als höfliche Anrede gebraucht wird, also vor allem in Briefen.

10. Satzzeichen sind keine Rudeltiere

Es gibt einen Fall, in dem sie ein doppeltes Satzzeichen am Satzende verwenden dürfen: Mit „?!“ zeigen Sie eine gerufene Frage an. So etwas wie „!!!“ oder „???“ gibt es nicht. Ein Text hat keinen Lärmpegel, der sich durch mehrere Ausrufezeichen erhöhen ließe.

Wenn Sie Ihre Fehler kennen und wissen, worauf Sie in Zukunft achten sollten, ist das schon die halbe Miete. Verlassen Sie sich nicht zu sehr auf Rechtschreib- oder Hilfsprogramme. Gerade wichtige Texte, etwa Bewerbungsschreiben, sollten Sie mehrfach Korrektur lesen.

Schreib- und Leseschwäche – ein Phänomen unserer Zeit?

Die sogenannte Lese-Rechtschreib-Schwäche (kurz LRS), auch Legasthenie genannt, hat es schon immer gegeben – selbst weltbekannte Schriftsteller wie der amerikanische Autor Ernest Hemingway oder die berühmte englische Krimiautorin Agatha Christie sollen darunter gelitten haben. Insofern ist die LRS keine aktuelle Zeiterscheinung, sondern ein schon seit langem bekanntes Phänomen.

Was bedeutet Legasthenie?

Ist Ihr Kind von Legasthenie betroffen, hat es vermutlich Probleme gesprochene Sprache zu verschriftlichen sowie Texte flüssig zu lesen. Es verwechselt bzw. vertauscht oft Buchstaben (zum Beispiel B und D), schreibt häufig spiegelverkehrt oder lautgetreu und daher fehlerhaft.
Die LRS ist eine Schwäche, die laut dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie in Deutschland etwa 4 Prozent aller Schüler betrifft. Viele von ihnen sind aber in der Lage, ihre Schwächen beim Lesen und Schreiben im Laufe der Schulzeit zu kompensieren oder gar zu überwinden. Dies hängt allerdings zum großen Teil davon ab, wie schnell die Legasthenie entdeckt wird und therapeutische Maßnahmen wie spezielles Lerntraining greifen. Wenn Sie also den Verdacht haben, dass Ihr Kind Legastheniker sein könnte, sollten Sie nicht zögern, sich mit einer Beratungsstelle in Verbindung zu setzen.

Lesen und schreiben lernen nach der Anlauttabelle

Legasthenie wurde in der Öffentlichkeit bereits in den 70er und 80er Jahren im Zuge der angestoßenen, weitreichenden Bildungsmaßnahmen umfassend thematisiert. Es entstanden Selbsthilfegruppen und spezielle Lernprogramme, um den Kindern zu helfen. Die Anzahl betroffener Schüler schien dabei über all die Jahre relativ konstant zu bleiben.
In den letzten zwanzig Jahren änderten sich die Lernkonzepte in der Grundschule immer stärker. Die alte Schulfibel, mit der über Jahrzehnte Kinder lesen und schreiben gelernt hatten, kam immer seltener zum Einsatz. Viele Lehrer richteten sich im Unterricht zunehmend nach den Lehren des inzwischen verstorbenen Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen, der glaubte, dass Kinder mehr lernen, je weniger sie belehrt werden. Sie sollten seiner Meinung nach mit Hilfe der Anlauttabelle – einer Buchstaben-Tabelle mit Bildern – lesen und schreiben lernen. Sein Lehrkonzept vermittelte er am Hamburger Institut für Lehrerfortbildung.
Ein Großteil der Lehrer war zunächst von Reichens Ideen begeistert. Man ließ die Schüler nach Gehör bereits in der 1. Klasse drauflos schreiben und freute sich, wenn sie sich ohne Angst vor Fehlern frei und unbefangen rasch zu fantasievollen Textern entwickelten – auf korrekte Rechtschreibung wurde dabei erst einmal kein großer Wert gelegt.

Produzierte die neue Lehrmethode einen Anstieg von Legasthenikern?

Ein Vorteil des Lernens mit Hilfe der Anlauttabelle ist sicherlich, dass die Schüler schnell Texte verfassen können. Inzwischen kritisieren aber viele Lehrer, Wissenschaftler und Pädagogen – wie zum Beispiel die Erziehungswissenschaftlerin Renate Valtin – das Reichen-Konzept scharf. So gibt es mittlerweile Untersuchungen, die belegen, dass sich Lesekompetenz und Rechtschreibung heutiger Grundschüler gegenüber früheren Schülergenerationen drastisch verschlechtert haben. Als Hauptgrund wird angeführt, zu viele Schüler hätten beim Lernen mit der Anlauttabelle falsche Schreibweisen verinnerlicht. In höheren Klassen hätten Lehrer dann große Mühe, ihnen die fehlerhafte Schreibweise wieder abzugewöhnen. Dies habe zudem zu einer steigenden Anzahl falsch diagnostizierter Legastheniker geführt – also Kindern, die nicht von LRS betroffen sind, aber Probleme beim Lesen und korrekten Schreiben haben – eben weil sie in den ersten Grundschuljahren noch so schreiben durften wie sie wollten. Besonders betroffen seien dabei Kinder aus bildungsfernen Schichten sowie Schüler mit Migrationshintergrund, die zu Hause nicht von Anfang an auf die richtige Schreibweise hingewiesen und zusätzlich nicht zum Lesen animiert wurden.
Um die Legastheniker-Zahlen nicht weiter künstlich in die Höhe zu treiben, scheint es sinnvoll zu sein, die Anlauttabelle im Grundschulunterricht maßvoll anzuwenden und die Schüler parallel von Anfang an auf korrekte Schreibweise hinzuweisen. Vielleser haben meist eine gute Rechtschreibung – diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass an vielen Schulen inzwischen in Form von Leseprogrammen der Leseeifer von Grundschülern gefördert wird.

Rezension: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod

In der Sachbuchreihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ widmet sich Bastian Sick der deutschen Sprache und spürt in unterhaltsamen Situationen grammatikalischen Feinheiten nach, weist auf typische Fehler im Alltagsdeutsch hin und mahnt durchaus belehrend an, dass mehr Wert auf eine saubere und korrekte Sprache gelegt werden müsse.

Deutsche Sprache, schwere Sprache – sagen Gaul und schreiben Pferd.

Bastian Sick war Schlusskorrektor beim Spiegel, also so etwas wie der Deutschlehrer mit dem Rotstift, dabei begnügte er sich jedoch nicht mit diesem Rotstift, sondern begann den Redakteuren ihre Fehler etwas zu erläutern und diese Erläuterungen in Geschichtchen und Anekdoten zu packen. Diese Fehlerkorrektur fand man beim Spiegel amüsant, man gab Sick eine Kolumne, diese fanden die Leser wiederum interessant – sogar so interessant, dass ein Verlag auf die Kolumne aufmerksam wurde und sich dazu entschied, Sick das Thema in Buchform behandeln zu lassen.

In „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ werden typische Grammatikprobleme der deutschen Sprache beleuchtet und erklärt. Die rheinische Verlaufsform zum Beispiel (Ich bin da so ein Buch am Lesen) wird in einem Gespräch zwischen Sick und seiner Freundin Holly, einer Amerikanerin, behandelt. Die kann es gar nicht verstehen, wie man im Deutschen eigentlich ohne eine Verlaufsform auskommt. Der etwas oberlehrerhafte Bastian Sick weiß natürlich Rat.

So wie Holly hat Sick eine Reihe von Gesprächspartnern, mit denen er in einen humorvollen Dialog tritt, wie das auch aus Comedy-Programmen oder aus didaktischen Formaten bekannt ist. Dort der Schüler, der eine Frage hat oder einen Fehler macht – ier der Lehrer, der mit einem Schmunzeln das Missverständnis aufklärt.

Dabei widmet sich Sick einer Vielzahl von Phänomen der deutschen Sprache, ob das der Konjunktiv ist, der böse Dativ aus dem Titel des Buchs oder die übermäßige Verwendung von Apostrophen, etwa bei Werner’s Würstchenbude.

Vor allem hat es Sick auf unsinnige Anglizismen, gerade aus der Sprache der Werber oder Behörden, abgesehen. Wenn Orte zu einem „Center“ werden und Menschen zu „assistant mangament consultants“, dann tritt Sick auf den Plan und versucht, sinnvolle Entsprechungen für diese Wörter zu finden, die sich nicht wie ein Fremdkörper im Satz anhören.

Die ersten Bänden lösten eine regelrechte Manie aus

Die „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“-Reihe lief vor allem in den ersten Bänden hervorragend und fiel mit einer neuentdeckten Lust der Deutschen an der Klugscheißerei zusammen (zu dieser Zeit wurden auch so Wörter wie „Unterschichtenfernsehen“ geprägt und Dr. Eckhardt von Hirschhausen machte Karriere).
Wissen war auf auf einmal in. Sick machte sogar ein Comedy-Programm aus seinen Büchern, die aus einer Kolumne kamen, die aus Korrekturzettel entstanden. Nicht gerade eine Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär, aber nahe genug dran.

Dabei wandelte Sick immer einen schmalen Grat zwischen freundlicher Korrektur und etwas großspuriger Nörgel- und Besserwisserei.
Wenn er so manchen seiner Gesprächspartner die Vorzüge eines korrekten Deutsch erklären muss und wie wichtig es sei, nun den Genitiv zu bilden und wie blöd die Bayern oder Kölner sind, das einfach nie hinzukriegen, erinnert es manchmal schon an das Gespräch Robinson Crusoes mit seinem Freitag.

Manchmal fragt man sich als Leser, ob Sick Lust auf ein lebendiges Deutsch hat, oder ob es ihm einzig um das korrekte Deutsch geht, darum Recht zu haben. Nichtsdestotrotz gelingt es Sick mit der Buchreihe auf viele Sprachphänomene hinzuweisen und ein Bedürfnis in Sprechern und Schreibern zu wecken, mehr Wert auf das zu legen, was sie da eigentlich sprechen und schreiben. Eine Lektüre der Bücher sollte jedoch auf keinen Fall dazu führen, sich von all den Regeln, Sonderfällen, Ausnahmen und grammatikalischen Konstrukten derart verunsichern zu lassen, dass man die Lust am Formulieren und Experimentieren verliert.

Fazit

Sick hält in „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ häufig dem armen, schutzlosen Individuum einen riesigen Kanon von Regeln, Regelwerken und Anekdoten entgegen, so dass schnell der Eindruck entsteht, man müsse sein Leben der Sprache widmen und mindestens so viel über sie wissen wie der meisterhafte Korrektor Sick, nur um einen geraden Satz herauszubringen. Auf solche Ideen sollten Sie sich durch die Lektüre keinesfalls bringen lassen.

Nehmen Sie die Bücher als das, was sie bestenfalls sein können, als einen amüsanten Ritt durch die Irrungen der Sprache. Dabei können Sie Blicke auf Felder werfen, die Ihnen sonst nie auffallen würden. Und vielleicht gelingt es Ihnen dann tatsächlich, mehr Wert auf Sprache zu legen.

Die Bücher sind eine amüsante Lektüre und können einen wertvollen Anstoß dafür geben, sich mit Sprache auseinander zu setzen. Und sie liefern Ihnen Munition, um Ihre Gegenüber auf sprachliche Fehler hinzuweisen.

Sinn von Rechtschreibreformen

Im Deutschen sind Rechtschreibreformen stets ein Grund für Kulturkritik. Auch linke Autoren können es nicht verschmerzen, wenn die Regeln geändert werden sollen, die sie bisher für unanfechtbar hielten. Doch die Normalnutzer der Sprache finden es eigentlich ganz gut, wenn man komplizierte Regeln durch einfache Regeln ersetzt, wenn man die Fülle der Ausnahmen deutlich reduziert und wenn insgesamt mehr Logik in das System der Rechtschreibung hereinkommt.

Beispiel einer Rechtschreibreform

Die letzte große deutsche Rechtschreibreform dominierte in den 1990er-Jahren die sprachpolitische Agenda. Prominente Schriftsteller und Medienorgane weigern sich immer noch, die neuen Regeln konsequent anzuwenden. Da half es auch nichts, wenn die Praktiker in den Schulen schon nach wenigen Jahren darauf verweisen konnten, dass die Neulinge in der Rechtschreibung besser mit den neuen Regeln klarkommen. Die Kultusminister der deutschen Bundesländer waren sogar gezwungen, gute Gründe für die Rechtschreibreform umfangreich zu publizieren, um den Sinn von Rechtschreibreformen der Öffentlichkeit deutlich zu machen. Diese Gründe sind durchaus verallgemeinerbar.

Einfachheit der Rechtschreibung verbessert die Kommunikationsmöglichkeiten

Regeln sollten stimmig und einfach sein, bei der deutschen Rechtschreibung ist man von diesem Prinzip weit entfernt. Kompliziert sind die Regeln immer noch, doch in einigen Fällen ist es gelungen, Ausnahmen zu reduzieren und insgesamt eine stringentere Logik wirksam zu machen. Das hat den Vorteil, dass die Regeln schneller gelernt und angewandt werden können. Insgesamt wird dadurch zwar die Sprache einheitlicher, doch Einheitlichkeit ist ein Vorteil bei der Kommunikation. Schließlich will man die Sprache verwenden, damit andere einen verstehen.

Reduzierung von Ausnahmen stärken die Lern- und Anwendungsfähigkeit der Rechtschreibung

Ausnahmen sind der Tod guter Regeln. Viele Ausnahmen können dazu führen, dass die Regeln in ihrer Bedeutung kaum noch wahrgenommen werden. Besonders problematisch wird dies, wenn die Logik der Ausnahmen anders aussieht als die Logik der hauptsächlich dominierenden Regeln. Ausnahmen deutlich zu reduzieren, sollte daher ein Ansatzpunkt von Rechtschreibreformen sein. So gab es früher viele Ausnahmen von der Regel, dass Substantive groß zu schreiben sind. Heute ist das weitgehend überwunden und insbesondere die Neulerner des Deutschen schätzen es sehr, dass man bei den Substantiven jetzt eine einheitliche Regelung gefunden hat. Durch Reduzierung von Ausnahmen kann also die Sprache besser und schneller gelernt werden, was insgesamt die Akzeptanz auch gegenüber komplexeren Argumentationen fördern kann.

Bessere Erlernbarkeit und Handhabbarkeit nach der Rechtschreibreform

Die Erlernbarkeit ist ein wichtiges Argument für die Rechtschreibreformen. Denn es gibt immer wieder Nachwuchs durch Kinder und Zugezogene, die möglichst schnell eine hohe Kompetenz in der Sprachnutzung erwerben sollen. Damit sie sich besser im Leben und in schwierigen Kommunikationssituationen zurechtfinden können. Da passt es gut, wenn das Stammprinzip in der Sprachverwendung gestärkt wird, denn so kann man die Sprachverwendung in vielen Einzelsituationen auf ein grundlegendes Prinzip zurückführen und gewinnt damit mehr Sprachkompetenz. Früher war es schwer verständlich zu machen, dass man den Stängel mit e geschrieben hat, obwohl der Wortstamm des Begriffs (Stange) mit a geschrieben wurde und wird.

Transparentere Trennungsregeln vereinfachen die Sprachverwendung

Häufig müssen Wörter getrennt werden, wenn man umfangreiche Texte erstellt. Beim Umbruch durch Veränderung des Textes kann es im nachfolgenden Text Probleme mit den schon erfolgten Texttrennungen geben. Meist werden längere Texte mit dem Computer geschrieben, hier sind einfache Trennungsregeln wichtig, damit man die lästige Trennarbeit den Algorithmen überlassen kann. Für die deutsche Rechtschreibung ist es also ein Vorteil, wenn man die möglichen Trennungen gemäß den Silben eines Wortes auf eine einfache Regel abgestimmt hat.

Fazit

Die Rechtsschreibreform war erfolgreich, die nächsten Rechtschreibreformen sollten konsequent den beschrittenen Weg fortsetzten. Die Regeln sollten noch konsequenter mit den Ausnahmen aufräumen und noch klarer für Neulinge strukturiert werden. Damit deren Kommunikation schnell auf eine kompetente Basis gestellt wird.